Montag, 6. Januar 2014

Rührung

Da war er wieder - dieser geschätzte Moment, wenn er tief atmet und ein Lächeln auf den Lippen hat. Auf der Leinwand wurde alles weiß und der Abspann begann. In den Sitzen neben ihm wurde der Film schon ausgewertet und er schnappte Aussagen wie "habe mehr erwartet" auf. Aber in seinem kleinen Moment der Seligkeit konnte er diese negativen Randerscheinungen ganz leicht abschütteln. Sogar, dass ausgerechnet vor ihm der wohl größte Mensch in diesem Kinosaal sitzen musste, was ihn zeitweise zum "Hals-Strecken" zwang, war nun egal.
Auch die offensichtlichen Logiklöcher in der Handlung spielten keine Rolle, weil für ihn das Gesamtbild stimmte. Dass eine seiner Lieblingsschauspielerinnen mitmachte, musste somit nicht mehr als Ausrede dienen, die Zeit und das Geld für dieses Werk der amerikanischen Unterhaltungsindustrie investiert zu haben. Nein, er war in diesem Moment vollends zufrieden.
Die Entscheidung, den Film doch zu sehen bzw. den Film an diesem Abend zu sehen und dies allein zu tun, war goldrichtig. Für andere mag das ein Ding der Unmöglichkeit sein, allein ins Kino zu gehen. Er hingegen hatte damit überhaupt kein Problem.
Der Abspann wurde mit ruhigen Liedern untermalt. Und so dachte er sich, dass dies hervorragend zum Stil des Films passt. Dass hierbei die leisen Töne die Resonanz hervorrufen - so wie auch nicht die Effekte oder die großen Landschaftsaufnahmen für ihn die Essenz darstellten, sondern die stillen Szenen, in denen es um die Figuren ging.
Er wartete, bis der Abspann vorbei war. Der Saal war da schon so gut wie leer. Dann machte er sich auf den Heimweg, lief durch die menschenleere Innenstadt. Es war kalt, aber trocken. In Gedanken freute er sich noch, die Gelegenheit des einsamen Kinobesuchs genutzt zu haben.
Der Shuffle-Modus seines iPods lieferte ihm ein heiteres Lied einer zweitklassigen Pop-Sängerin, bei dem unter anderem folgende Textzeile vorkommt:
"What's the point of living, if you don't wanna dance"
Dies entlockte ihm ein breites Grinsen und er ging im Takt die Straße entlang. Vielleicht war das kein tiefgründiger Film, dachte er sich, so wie die Musik auch nicht tiefgründig war. Aber er konnte sich daran erfreuen. Die Inhalte erreichten ihn. Und nur das zählte in diesem Moment.
Ein paar Minuten später fühlte er sich sogar einem Katy-Perry-Song verbunden. Vielleicht alles nur eine Frage der Situation.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen